Eine Naturwiese am Stadtrand, eine idyllische Waldlichtung fast, zu etwa einem Drittel von Wald umgeben. Am einen Rand der Wiese die Rütihofstrasse mit den daran angrenzenden muralen Reihen- und Einfamilienhäusern des gewachsenen Quartiers, am anderen Rand, in südwestlicher Richtung, Schrebergarten-Häuschen mit Pflanzgärten, Fahnenstangen, Grillplätzen - kleinzellige Wochenendparadiese. Im Süden das hinter Bäumen und Sträuchern verborgene Freiluftschwimmbad in der Sprache der Moderne und das Sonnenbad aus der Zeit der Freikörperkultur. In der näheren Umgebung der als Naherholungsgebiet genutzte Schützenweiher und die Spazierwege. Und weiter oben in der Strasse die Siedlung mit den Chalethäusern aus Holz.  

An diesem Ort prallen Gegensätze aufeinander. Daraus eröffnet sich ein Potential für die architektonische Vermittlung: Die dispersen Spuren und unterschiedlichen Charakteristiken aufnehmen, zwischen ihnen vermitteln und in einer architektonischen Skulptur neu interpretieren, mit Überlagerungen eine neue, aber vermittelnde Eigenständigkeit schaffen.  

Nach Nordosten hat die Reihenhaus-Skulptur einen geschlossenen Charakter. Sie nimmt damit Bezug auf die Reihen- und Einfamilienhäuser hangabwärts im Quartier. Richtung Südwesten ist sie aufgelöst, reagiert auf die Kleinkörnigkeit der Schrebergarten-Häuschen oben im Hang. Das abgewinkelte Eckhaus markiert den Abschluss zum Wald hin. 

Innerhalb der Skulptur besteht eine durchgehende Grundstruktur mit der einheitlichen Erschliessung, der Anordnung der Sanitärzellen, dem als transluziden Sockel ausgebildeten Eingangsgeschoss, dem Panoramafenster in den obersten Geschossen und der Lichtführung vom Dachoblicht hinunter auf die Treppen. Diese Grundstruktur erzeugt innerhalb der fünf Häuser eine Einheitlichkeit und rhythmische Regelmässigkeit. Im Gegensatz dazu sind die Wohngeschosse, die wegen der Sonneneinstrahlung vom Hang her im obersten Geschoss angeordnet sind,  fünf individuelle Unikate mit je eigenem Ausdruck und individueller Gestaltung der Küche,  des Ess-/Wohnbereichs und der eingezogenen, privaten Terrasse. 

In ihrer Anordnung, Kalibrierung und Funktionalität nimmt die Reihenhaus-Skulptur Bezug auf die Wohnhäuser im Quartier. In ihrer heterogenen Sprachlichkeit mit den vielfältigen Materialien reagiert sie auf die Schrebergarten-Welt.

Um die muralen Häuser legt sich wie eine Membran eine Hüllenschicht aus naturbelassenem Lärchenholz, deren Latten in ihrer Dimensionierung an Gartenzäune erinnern. Auf dem Dach liegt eine Schüttung aus rotem Ziegelschrot. Über die Terrassen spannen sich bei Sonnenlicht horizontale Faltmarquisen. Der transluzide Sockel besteht aus geripptem Glas. Durch dieses dringt tagsüber Licht in die vielfältig nutzbaren Erdgeschossräume, nachts dringt Licht von innen auf die Strasse hinaus. Hinter den Häusern, zum Hang hin, liegen Kiesplätze. Das übrige Terrain bleibt eine grosse Naturwiese mit Obstbäumen.

Daten

Adresse

Rütihofstrasse 77 – 85 / Winterthur

Planung

1998-1999

Ausführung

1999-2000

Programm

Neubau von 5 Reihenhäusern als Maisonette-Wohnungen

Projektteam

Beat Rothen, Walter Gubler, Matthias Kohler
Verantwortlicher Partner: Beat Rothen

Bauherrschaft

Privater Auftraggeber