Städtebau I Industrielle Vergangenheit

Das Grundstück liegt an einer der wichtigen, stark lärmbelasteten Ein- bzw. Ausfallachsen von Winterthur. Die unmittelbare Nachbarschaft entlang der Zürcherstrasse ist gekennzeichnet durch unterschiedlich markante Solitär- bauten mit Dienstleistungs- und Gewerbenutzung.

Die städtische Gesamtform in der Typologie eines einseitig geöffneten Hofrandes wird in der Höhe gestaffelt und nimmt so die Körnung der umliegenden Bebauungen auf. Diese Form wurde gewählt, um geschützte, ruhige  Wohnhöfe zu erhalten. Entlang der Strassenräume wird eine klare, präzise bauliche Setzung vorgenommen. Die markante Öffnung der Gebäudeform im Nordosten dient der Erschliessung und Anlieferung. Sekundäre Öffnungen vernetzen die Bebauung mit der nahen Umgebung. Die drei Baukörper bilden die Hofrandbebauung und umschließen den auf verschiedenen Niveaus liegenden, fließenden Hofraum, der zunehmend privater und dichter bepflanzt in Erscheinung tritt. Die industrielle Vergangenheit des Ortes wird einerseits mit der rauen, stellenweise perforierten Zementsteinfassade, andererseits mit den klaren Gebäudevolumen, die auf die typischen Attikadachlandschaften verzichten, gewürdigt.

Nutzungen I Wohnungen

Die Haupterschliessung der Wohnungen erfolgt über den attraktiven Hofraum. Die Gebäudeform verlangt differenzierte Reaktionen auf den jeweiligen Ort, der Ausrichtung und vor allem auf die jeweilige Lärmbelastung. Alle Wohnungen überzeugen durch einen fliessenden, offenen Wohnraum und sind mindestens zweiseitig ausgerichtet und belichtet. Alle Wohnungen sind mit einer Orientierung zu dem ruhigen, wirtlichen Aussenraum ausgerichtet. Entlang der Zürcherstrasse dominiert die sehr starke Lärmbelastung. Die fast 20m tiefen Grundrisse ermöglichen eine zweiseitige Ausrichtung und vermögen der Fassade an der Eingangsachse trotz der Lärmbelastung ein attraktives Gesicht zu geben.

Die Wohnungen sind mit einer tiefen, privatisierten Loggia zum Hof ausgerichtet. Dies ermöglicht einerseits lärmabgewandtes Lüften und schafft andererseits attraktive, zum ruhigen Innenhof ausgerichtete Aussenräume.

Im Erdgeschoss des Volumens am Erschliessungshof sind Atelier-wohnungen vorgesehen, in denen mittels  Split-Level ein privaterer Wohnungsteil ermöglicht wird. Die flexiblen Wohn- und Gewerbenutzungen tragen zur Öffentlichkeit des Platzes im Innenhof bei.

Ausdruck I Materialisierung

Der Ausdruck und die Materialisierung des Gebäudes erinnert an die ehemalige industrielle Nutzung des Areales und schafft einen wertigen Charakter, der an einem solchen Ort würdig altern kann. Zementsteinflächen in drei unterschiedlichen Farbnuancen sind im Wechsel mit grossen Fensterflächen vorgesehen. Die Innenhöfe sind mit der hellen Steinfarbe gemauert, entlang der Aussenfassaden wurde die dunkle Steinfarbe verwendet, um trotz der Verschmutzung durch Abgase die Fassade gut altern zu lassen. In Anlehnung an die industrielle Baukultur zeigen unterschiedlich hohe Stürze in der Steinfassade die verschiedenen Lasteinwirkungen aus den darüberliegenden Mauer-werksflächen und geben damit dem Bauwerk einen eigenen Charakter.

Daten

Adresse

Zürcherstrasse 52-60 / Obere Schöntalstrasse 40-48 / Schlosshofstrasse 27-49 / 8400 Winterthur

Planung

Studienauftrag 1. Preis, 2009-2012

Ausführung

2012-2016

Programm

Wohnüberbauung mit 211 Wohnungen für unterschiedliche Nutzergruppen und Wohnformen:
  • Familienwohnungen
  • Atelierwohnungen
  • Loftwohnungen
  • Kleinstwohnungen
  • Gewerbeeinheiten

Projektteam

Beat Rothen, Birgit Rothen, Alex Zeller, Anina von Ballmoos, Thorsten Kuwatsch
Verantwortlicher Partner: Beat Rothen

Bauherrschaft

SWICA Versicherungen AG, Winterthur, Swisscanto Asset Management AG, Zürich

Totalunternehmer

Priora Generalunternehmung AG, Zürich

Bauingenieur

Dr. J. Grob & Partner AG, Winterthur

HLKS-Planer

PGMM Schweiz AG, Winterthur

Elektroplaner

Scherler AG, Winterthur

Bauphysik

BWS Bauphysik AG, Winterthur

Fotografie

© Gaston Wicky, Zürich, © Rothen Architektur GmbH