Das parkähnliche Ninck-Areal am Fuss des Brühlbergwaldes ist geprägt vom Zusammentreffen unterschiedlicher Massstäblichkeiten, Körnungen, städtebaulicher Typologien und Nutzungen.

Markanteste Bezugspunkte mit rund 92 Metern Höhe und 24 Bürogeschossen ist das 1963 bis 1966 erbaute Sulzer-Hochhaus im Nordosten des Areals. Das Sulzer-Hochhaus spielte für das Firmenimage in der damaligen Zeit eine wichtige Rolle, sollte es doch nach aussen das Bild des internationalen Industriekonzerns vermitteln. Dominant sind die grosskalibrigen Bürohäuser des Sulzer-Konzerns an der Neuwiesenstrasse. An der Brühlgartenstrasse stehen einfache Mehrfamilienhäuser. Und jenseits der Eulach liegt die grosse Freifläche mit dem Fussballstadion Schützenwiese, den Sportplätzen und den Eulachhallen für Messe-, Sport- und Mehrzwecknutzungen.

Die Wohnüberbauung Ninck-Areal steht als eigenständige, starke Gesamtskulptur, als Ensemble mit Villa, zwischen all diesen Gegensätzen. Sie vermittelt und schafft Übergänge und Bezüge nach allen Seiten. Die Stufenweise reduzierten Höhen der Baukörper - fünfgeschossig an der Neuwiesenstrasse, dann viergeschossig und schliesslich dreigeschossig mit Dachwohnungen - thematisieren den Übergang zwischen den siebengeschossigen Bürogebäuden und den drei- bis viergeschossigen Mietwohnungsbauten im Quartier.

Zum Park hin sind die vier Baukörper aufgelöst, entlang der Brühlgartenstrasse bilden sie eine Flucht. Die Abgrenzung zur Strasse bildet eine leichte Stahlkonstruktion mit einer raumhaltigen Glyzinienbepflanzung, welche die Durchgänge zu den Häusern, Veloabstell- und Containerplätzen in sich aufnimmt.

Durch diese Anordnung bleibt ein grosser Teil des Parks für die Überbauung und die Villa als halböffentliche Freifläche bestehen. Vor den Erdgeschosswohnungen markieren Grasbänder eine gewisse Privatsphäre. Unter den Bäumen gegen das Flussufer hin werden Sitz- und Spielplätze für die Bewohner realisiert.

In der Sprachlichkeit der Baukörper und im architektonischen Ausdruck der Fassaden ist die Scharnierfunktion der vier Baukörper zwischen den unterschiedlichen angrenzenden Funktionalitäten der Büro- und Wohnhäuser ablesbar.

Die Überbauung besteht aus Geschosswohnungen, die als grosse “Stadtwohnungen” ausgebildet sind. Es sind zwei Wohnungstypologien entwickelt worden – Eckwohnungen und Wohnungen, die durchgehend über die ganze Tiefe des Hauses verlaufen. Bei diesen durchgehenden Wohnungen sind die Räume von Süden her besonnt und belichtet, zum Park im Norden bieten sie Aussicht ins Grüne und zur Ruhe. Aufgrund der unterschiedlichsten Bezüge und Beziehungen zur Aussenwelt ergibt sich eine sehr grosse Vielfalt an Wohnungen. Bei den Eigentumswohnungen und den Eckwohnungen unterstreichen grosse Entrées und überbreite Korridore, die vielfältig genutzt werden können, die hohe Wohnqualität. Die Zimmer und Badezimmer sind als eigentliche Kompartimente innerhalb der Wohnungen ausgebildet und über Vorzonen erschlossen.

Die Fassade ist geprägt von Schiebe-Elementen aus verschieden farbig eloxiertem Aluminium. Farbkonzept und Fassadenlayout wurden in Zusammenarbeit mit dem Winterthurer Künstler Thomas Rutherfoord entwickelt. Die Elemente vor den raumhohen Fenstern und den verglasten Loggias dienen zur individuellen Lichtregulierung und Schliessung. Durch das von den Bewohnern bestimmte Spiel mit den beweglichen, farbigen Fassadenelementen wird sich die im Grundsatz sehr regelmässig aufgebaute Fassade nie gleichförmig präsentieren. Die umlaufenden Gesimse im Bereich der Geschossdecken betonen die Gesamtfigur aller vier Baukörper.  

Die Tiefgarage erstreckt sich auf die ganze Länge des Areals entlang der Brühlgartenstrasse. Auf diesem unterirdischen Fundament stehen die vier Baukörper wie tanzende Skulpturen, die durch ihre Positionierung und Verzahnung zum Park hin untereinander und mit der Umgebung in vielfältigen Beziehungen stehen.

Die Tiefgarage als der grösste Raum der gesamten Überbauung wird speziell gestalten mit unterschiedlich hellen Lichtquellen, einem durchgehend gelb eingefärbten Betonboden und mit den mit farbigem Licht betonten Hausaufgängen.

Daten

Adresse

Brühlgartenstrasse 2-12 / 8400 Winterthur

Planung

2000

Ausführung

2001-2003

Programm

43 Mietwohnungen
23 Eigentumswohnungen

Projektteam

Beat Rothen, Simon Sutter, Martin Schmid
Verantwortlicher Partner: Beat Rothen

Bauherrschaft

Gesellschaft für Erstellung billiger Wohnhäuser in Winterthur

Baumanagement

Architekturbüro Kurt Gasser, Winterthur

Landschaftsarchitekt

Rotzler Krebs Partner GmbH, Winterthur

Kunst und Farbgestaltung

Thomas Rutherfoord, Winterthur

Fotografie

© Gaston Wicky, Zürich